Junge Waschbären unterwegs – bitte nicht einsammeln!
Zurzeit werden vermehrt junge Waschbären beobachtet (u.a. derzeit in Großkamsdorf) die allein oder in kleinen Gruppen unterwegs sind. Oft sind die Tiere auch tagsüber aktiv. Viele Menschen gehen dann davon aus, dass die Jungtiere verwaist sind und Hilfe benötigen. In den allermeisten Fällen ist das jedoch nicht so.
Junge Waschbären verlassen mit zunehmendem Alter ihren Wurfplatz und erkunden ihre Umgebung. Dabei können sie zeitweise allein unterwegs sein, klettern, spielen oder auf Nahrungssuche gehen. Dass ein Waschbärbaby tagsüber gesehen wird, ist daher kein Grund zur Sorge.
Die Mutter hält sich häufig nicht in unmittelbarer Nähe auf. Sie schläft, ruht oder ist auf Nahrungssuche und kehrt später zu ihren Jungen zurück. Die Jungtiere kennen ihr Umfeld und finden in der Regel selbstständig zu ihren Schlaf- und Rückzugsplätzen zurück.
Bitte nicht eingreifen!
Auch wenn es schwerfällt: Ein gesund wirkendes Waschbärjungtier sollte nicht eingefangen, gesichert oder mitgenommen werden.
Das gilt grundsätzlich auch dann, wenn sich das Tier an einem Ort befindet, den wir Menschen als gefährlich empfinden. Wildtiere leben in der Natur und sind dort zahlreichen natürlichen Risiken ausgesetzt. Nicht jede Situation, die auf uns bedrohlich wirkt, stellt tatsächlich eine Notlage dar.
Wer ein Jungtier vorschnell mitnimmt, trennt es möglicherweise dauerhaft von seiner Mutter und seinen Geschwistern. Oft ist damit mehr Schaden angerichtet als geholfen.
Wann ist Hilfe wirklich erforderlich?
Ein Eingreifen ist nur dann gerechtfertigt, wenn das Tier eindeutig hilfsbedürftig ist, beispielsweise wenn es:
offensichtlich verletzt ist,
blutet oder offene Wunden hat,
Knochenbrüche oder schwere Bewegungsstörungen zeigt,
stark geschwächt oder apathisch wirkt,
deutlich unterernährt oder ausgemergelt erscheint,
nicht mehr auf Umweltreize reagiert,
offensichtlich erblindet ist oder schwere neurologische Ausfälle zeigt,
sich in einer akuten medizinischen Notlage befindet.
In solchen Fällen sollte umgehend eine Wildtierstation, ein Tierarzt oder eine fachkundige Stelle kontaktiert werden.
Waschbären sind eine invasive Art
Der Waschbär stammt ursprünglich aus Nordamerika und zählt in Deutschland zu den invasiven gebietsfremden Arten. Deshalb dürfen gesunde Tiere nicht einfach aus der Natur entnommen und anschließend wieder ausgesetzt werden.
Wer einen Waschbären ohne zwingenden Grund aufnimmt, schafft unter Umständen ein Problem für das Tier und für die aufnehmenden Einrichtungen. Viele der aufgenommenen Jungtiere hätten ohne menschliches Eingreifen weiterhin von ihrer Mutter versorgt werden können. Waschbären gehen, wenn sie groß genug sind, von selbst ihrer Wege. Vorallem wenn es ungemütlich wird, durch Lautstärke, Gefahren, Straßenlärm, Nahrungsmangel, etc.
Leider stören sie immer wieder sehr viele Menschen, da sie natürlich auch Schaden machen.
Oft vergisst der Mensch dabei wie der Waschbär überhaupt hier her gekommen ist. Er wurde eingeschleppt um die heimische Tierwelt zu bereichern. Es ist also ein Menschengemachtes Problem, aber nun stört er.
Unser Appell:
Bitte beobachten Sie junge Waschbären nur aus der Distanz.
Nicht jedes allein sitzende, tagsüber aktive oder scheinbar verlassene Jungtier benötigt Hilfe. In den meisten Fällen ist das Verhalten völlig normal und Teil seiner natürlichen Entwicklung.
Nur eindeutig verletzte, schwer geschwächte oder akut hilfsbedürftige Tiere benötigen menschliche Unterstützung.
Im Zweifel gilt: Erst beobachten, fachlichen Rat einholen und nicht vorschnell handeln.
