Es sind die, die nichts besitzen
Die uns all das geben
Was unbezahlbar ist.

Infektionskrankheiten bei Katzen

Aufklärung, Tests und Verantwortung im Tierschutz

Infektionskrankheiten bei Katzen sind ein sensibles und oft komplexes Thema. Viele Erreger sind weit verbreitet, einige hochansteckend, andere nur unter bestimmten Bedingungen übertragbar. Gleichzeitig gilt: Nicht jede infizierte Katze ist automatisch krank.

Gerade im Tierschutz begegnen uns diese Erkrankungen zunehmend häufiger und leider auch in immer komplexeren Verläufen. Selbst sehr erfahrene Tierärzte stehen mittlerweile bei manchen „neuen“ oder ungewöhnlichen Krankheitsbildern vor großen Herausforderungen.

Umso wichtiger ist eine sachliche Aufklärung, die Ängste nimmt, aber dennoch realistisch informiert.

Infektionskrankheiten werden durch:

• Viren
• Bakterien
• Parasiten

verursacht und unterschiedlich übertragen:

• Tröpfcheninfektion (z. B. Niesen, Speichel)
• Schmierinfektion (z. B. Kot, Urin, Sekrete)
• Direkter Kontakt (z. B. Bissverletzungen)
• Indirekt über den Menschen (z. B. Kleidung, Hände)

Besonders anfällig sind:

• Jungtiere und ältere Katzen
• Tiere mit geschwächtem Immunsystem
• Katzen unter Stress

👉 Wichtig:
Viele Katzen tragen Erreger in sich, ohne jemals Symptome zu zeigen, können diese aber dennoch weitergeben.

 

Katzenschnupfen- Komplex

Der Katzenschnupfen ist eine häufige Mischinfektion aus Bakterien und Viren.

• Felines Herpesvirus
• Felines Calicivirus
• Mykoplasmen (Bakterien)

Übertragung

• Tröpfcheninfektion
• Direkter Kontakt
• Über Gegenstände

Symptome

• Niesen, Nasenausfluss
• Augenentzündungen
• Appetitlosigkeit
• Fieber

Behandlung

• Viren: nur symptomatisch behandelbar
• Bakterien (z. B. Mykoplasmen): ggf. Antibiotika

👉 Wichtig:
Da es sich überwiegend um Virusinfektionen handelt, ist der Einsatz von Antibiotika nur in bestimmten Fällen sinnvoll (wie z.B. bei Mischinfektionen mit Bakterien)

Tests beim Katzenschnupfen

• PCR-Test: ca. 70 €
• Mykoplasmentest: ca. 100 €

⚠️ Einschränkung:

• Viele Katzen sind positiv ohne krank zu sein
• Auch nach Impfungen können Tests positiv ausfallen

👉 Fazit: Ein Test ohne Symptome ist meist nicht sinnvoll. Entscheidend ist immer der klinische Zustand der Katze.

Felines Herpesvirus

• Verursacht typische Atemwegssymptome
• Bleibt lebenslang im Körper
• Bricht häufig bei Stress wieder aus

👉 Wichtig: Eine Behandlung ohne Symptome ist nur bedingt sinnvoll.
Der Fokus liegt auf:

• Stressvermeidung
• Stärkung des Immunsystems

 

Katzenseuche (Panleukopenie)

Eine akut verlaufende und gefährliche Erkrankung.

.
Übertragung

• Schmierinfektion über Kot, Urin oder Sekrete
• Direkt und indirekt

Symptome

• Fieber
• Erbrechen
• Durchfall

👉 Wichtig:

• Sehr schneller Krankheitsverlauf
• Test nur bei akutem Verdacht sinnvoll

 

Leukose (FeLV)

Übertragung

• Speichel
• Muttermilch
• Kot
• Nasensekret

Besonderheit

Infizierte Katzen können über lange Zeit ohne Symptome leben, scheiden das Virus aber weiterhin aus und können andere Katzen anstecken.

Test

• Kosten: ca. 80–100 €
• Wiederholung nach ca. 6 Wochen empfohlen

👉 Dieser Test wird empfohlen, insbesondere bei:
•neuen Katzen im Haushalt
•Mehrkatzenhaltung

Hinweis zur Impfung

Insbesondere bei dieser Impfung besteht ein Risiko für Tumorbildung an der Einstichstelle. Dies sollte individuell mit dem Tierarzt abgewogen werden.

 

FIV (Katzenaids)

Übertragung

• Vor allem durch Bissverletzungen
• Häufig bei unkastrierten Freigängerkatern

Testproblematik

• Falsch positive und falsch negative Ergebnisse möglich
• Antikörper erst Wochen nach Infektion nachweisbar
• Jungtiere können durch mütterliche Antikörper falsch positiv sein

👉 Wichtig: Ein negatives Testergebnis ist immer nur eine Momentaufnahme.

 

FIP (Feline Infektiöse Peritonitis)

FIP ist eine der komplexesten und am meisten missverstandenen Erkrankungen.

Ursache

Etwa 90 % aller Katzen tragen Coronaviren in sich.
Diese sind in der Regel harmlos.

👉 Die Krankheit FIP entsteht erst dann, wenn dieses Virus im Körper mutiert.

Übertragung

• Hauptsächlich über Kot (z. B. Katzenklo)
• Indirekt über den Menschen möglich

👉 Bei guten hygienischen Bedingungen ist die Ansteckungsgefahr deutlich reduziert.

Formen

• Feuchte Form
• Trockene Form
• Neurologische Form
• Okuläre Form
• Mischformen

Symptome

• Fieber
• Gewichtsverlust
• Lymphknotenschwellungen
• Augenentzündungen
• schlechtes Fell

Diagnose

Es gibt keinen eindeutigen Einzeltest.
Sinnvoll ist die Kombination aus:

• Blutbild
• ggf. Punktat
• klinischer Untersuchung

👉 Ein reiner Coronavirus-Test ist nicht aussagekräftig, da viele gesunde Katzen positiv sind.

Behandlung

Eine Behandlung ist heute möglich (z. B. mit antiviralen Medikamenten wie GS):

• Heilungschancen über 90 % bei früher Diagnose
• Entscheidend:
~frühzeitiger Beginn
~richtige Dosierung

Vorbeugung

• Hygiene ist das *A und O*
• Stress vermeiden
• Immunsystem stärken

Hygiene im Alltag

Eine gute Hygiene reduziert das Infektionsrisiko erheblich:

Katzenklo

• Regelmäßig reinigen
• Regelmäßig desinfizieren

Näpfe

• Täglich reinigen
• Regelmäßig mit heißem Wasser auskochen

Trinkbrunnen

• Fördern die Flüssigkeitsaufnahme
• Sind aber potenzielle Keimquellen

👉 Daher:
• Sehr regelmäßige und gründliche Reinigung notwendig

Vorbeugung: Was wirklich hilft

• Starkes Immunsystem
• Hochwertige Ernährung
• Stressarme Umgebung
• Artgerechte Haltung
• Kastration (reduziert Kämpfe und Infektionsrisiken)

👉 Das sind die wichtigsten Faktoren für ein gesundes Katzenleben.

 

Tierschutz vs. Züchter – ein ehrlicher Blick

Immer wieder hören wir die Frage:
„Ist eine Katze aus dem Tierschutz nicht kränker als eine vom Züchter?“

Die klare Antwort lautet: Nein.

• Krankheiten treten überall auf
• Auch bei Züchtern
• Auch bei Privatkatzen

👉 Jede Katze kann erkranken – unabhängig von ihrer Herkunft.

Was sich jedoch verändert hat:

• Erkrankungen treten häufiger auf
• Verläufe werden komplexer
• Diagnosen werden schwieriger

Selbst sehr gute und erfahrene Tierärzte stehen heute bei manchen Fällen vor großen Herausforderungen.

👉 Wichtig ist daher: Nicht die Herkunft entscheidet, sondern:

• Haltung
• Ernährung
• Stresslevel
• Immunsystem

 

Sind diese Krankheiten auf den Menschen übertragbar?

Die hier beschriebenen Erkrankungen sind keine Zoonosen.

Was bedeutet das?

Eine Zoonose ist eine Krankheit, die zwischen Tier und Mensch übertragbar ist.

👉 Die genannten Erkrankungen wie:

• Katzenschnupfen
• FIV
• FeLV
• FIP
sind artspezifisch und betreffen ausschließlich Katzen.

Fazit

Für den Menschen besteht kein Ansteckungsrisiko.

 

Krankheiten die auf den Menschen übertragbar sind:

Toxoplasmose, Tollwut, Hautpilz, Parasiten

 

Dennoch gilt:

• Hygiene im Alltag ist immer sinnvoll
• Besonders im Umgang mit kranken Tieren

Fazit

Infektionskrankheiten bei Katzen sind komplex – und oft nicht schwarz oder weiß zu beurteilen.

👉 Entscheidend ist nicht das Testergebnis allein.
👉 Entscheidend ist immer die Katze als Individuum.

Mit:
•Wissen
•verantwortungsvollem Umgang
•guter Pflege

kann man das Risiko deutlich reduzieren und betroffenen Katzen ein gutes, lebenswertes Leben ermöglichen.